English Version русский вариант Po polsku

Martin von Arndt: Der Fuchs von Sakamoto

Seitenstück einer Erzählung Akutagawas

Zwei Männer auf dem Wege von Kyoto nach Tsuruga: Der eine groß und mächtig, und auch mächtig anzusehen; der andre klein und schmächtig, und auch schmächtig anzusehen. Er, der geringe Mann, hat jenem sich gesellt, denn der ist ein ruhmvoller Krieger, und er kaum einer, der sein Auskommen hat. Der Edle aber - was treibt ihn in solchen Verkehr? In der schweigsamen Demut sonnt er sich, schwingt frei sich über den Rücken des hündischen Alten, der aller Würde in seinem Leben vergessen hat.
Von hier ja, vom Biwasee bis nach Tsuruga, weiß er, ist alles Land schon in der Pflicht des Herren, und so sehr ist ihm dies Land verpflichtet, daß er keine Wache mit sich führt, sich selbst vielmehr gegürtet hat, während Kurzhaar in dessen mächtigem Reiterschatten vor Räubern bang in den Sattel des geliehnen Pferdes ganz winzig sich gekauert hält.
In der Ebene aber nach Tagesritt, genug nicht seines machtvollen Gebotes über Mensch und Land erfüllt sich wähnend, dreht der Freie sich in trotzigem Ungestüm und ruft dem andern zu: "Noch weiß man um mein Kommen nicht. Doch seh ich einen Boten dort. Wir schicken ihn mit Nachricht in die Stadt." Und noch bevor Gemeinter seine Augen recht zu heben weiß, setzt der Ritter an zum Wildgalopp und fängt den Fuchs mit bloßer Hand.
So spricht er zu dem wilden Roten: "Höre, Fuchs! Diesen Abend raste nicht und laufe mir nach Tsuruga und künde dort: Unerwartet wird der Herr heut nacht anlangen. Er wünscht, befiehlt, daß man sein Kommen wohl bereite."
Und achtlos schleudert er das Tier ins Feld, das rasch und rascher Raum gewinnt.
Wenn aber in den späten Dämmerstunden nicht weit mehr von Tsuruga zwanzig Gepanzerte sich dem kleinen Zuge nähern und furchtsam vor dem Herrn absitzen und der Hauptmann unter ihnen die Rede tut: "Herr, ein Unerhörtes begab sich heute: In eurem Haus erschien ein wildes Tier in großer Wandlung und sprach: Ich bin der Fuchs von Sakamoto! Unser Gebieter hat befohlen, sein Kommen euch zu mitteln. Eilt, eilt ihm entgegen, denn bei Anbruch der Nacht will er unbegleitet nicht sein!"; wenn der Herr sich heiß in die Brust dann wirft und auf sein altes Spielzeug herabsieht und es zu den Worten fordert: "Ach, Edler, so mächtig seid ihr, daß selbst die Natur euch willig dient!"; wenn der andre dann hohen Einzug hält in Tsuruga und alles Volk in Gefolgschaft ihm laut und lose entgegenströmt - dann weiß Kurzhaar, der schmächtige, winzige, gut um das erbärmliche Schauspiel, das man ihm geboten, und er sieht den Fuchs von Sakamoto inmitten wogender Ähren still durch die Felder ziehen am Biwasee.
Und doch war er den Abend über ganz der Wundergläubige, der vor Ehrfurcht klein und immer kleiner zu werden drohte.
In der Nacht aber hielt er sich länger nicht vor Ekel und gab seinem Leben endlich das Ende.

© Martin von Arndt 1997

wong myspace_de twitter_de Yigg del.icio.us facebook Google

Sie sind hier: www.vonarndt.de > Bücher | Texte > Der 40. Tag vor Sophienlund > Der Fuchs von Sakamoto

Zurück zur Textauswahl      Seitenanfang