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Zwei Männer auf dem Wege von Kyoto nach Tsuruga: Der eine groß und mächtig,
und auch mächtig anzusehen; der andre klein und schmächtig, und auch schmächtig
anzusehen. Er, der geringe Mann, hat jenem sich gesellt, denn der ist ein
ruhmvoller Krieger, und er kaum einer, der sein Auskommen hat. Der Edle aber -
was treibt ihn in solchen Verkehr? In der schweigsamen Demut sonnt er sich,
schwingt frei sich über den Rücken des hündischen Alten, der aller Würde in
seinem Leben vergessen hat.
Von hier ja, vom Biwasee bis nach Tsuruga, weiß er, ist alles Land schon in der
Pflicht des Herren, und so sehr ist ihm dies Land verpflichtet, daß er keine
Wache mit sich führt, sich selbst vielmehr gegürtet hat, während Kurzhaar in
dessen mächtigem Reiterschatten vor Räubern bang in den Sattel des geliehnen
Pferdes ganz winzig sich gekauert hält.
In der Ebene aber nach Tagesritt, genug nicht seines machtvollen Gebotes über
Mensch und Land erfüllt sich wähnend, dreht der Freie sich in trotzigem Ungestüm
und ruft dem andern zu: "Noch weiß man um mein Kommen nicht. Doch seh ich einen
Boten dort. Wir schicken ihn mit Nachricht in die Stadt." Und noch bevor
Gemeinter seine Augen recht zu heben weiß, setzt der Ritter an zum Wildgalopp
und fängt den Fuchs mit bloßer Hand.
So spricht er zu dem wilden Roten: "Höre, Fuchs! Diesen Abend raste nicht und
laufe mir nach Tsuruga und künde dort: Unerwartet wird der Herr heut nacht
anlangen. Er wünscht, befiehlt, daß man sein Kommen wohl bereite."
Und achtlos schleudert er das Tier ins Feld, das rasch und rascher Raum gewinnt.
Wenn aber in den späten Dämmerstunden nicht weit mehr von Tsuruga zwanzig
Gepanzerte sich dem kleinen Zuge nähern und furchtsam vor dem Herrn absitzen und
der Hauptmann unter ihnen die Rede tut: "Herr, ein Unerhörtes begab sich heute:
In eurem Haus erschien ein wildes Tier in großer Wandlung und sprach: Ich bin
der Fuchs von Sakamoto! Unser Gebieter hat befohlen, sein Kommen euch zu
mitteln. Eilt, eilt ihm entgegen, denn bei Anbruch der Nacht will er unbegleitet
nicht sein!"; wenn der Herr sich heiß in die Brust dann wirft und auf sein altes
Spielzeug herabsieht und es zu den Worten fordert: "Ach, Edler, so mächtig seid
ihr, daß selbst die Natur euch willig dient!"; wenn der andre dann hohen Einzug
hält in Tsuruga und alles Volk in Gefolgschaft ihm laut und lose entgegenströmt
- dann weiß Kurzhaar, der schmächtige, winzige, gut um das erbärmliche
Schauspiel, das man ihm geboten, und er sieht den Fuchs von Sakamoto inmitten
wogender Ähren still durch die Felder ziehen am Biwasee.
Und doch war er den Abend über ganz der Wundergläubige, der vor Ehrfurcht klein
und immer kleiner zu werden drohte.
In der Nacht aber hielt er sich länger nicht vor Ekel und gab seinem Leben
endlich das Ende.
© Martin von Arndt 1997
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